News Item: : Internationale Konferenz
(Category: Institutsnachrichten)
Posted by Laszlo
Thursday 10 December 2009 - 07:58:07
Die Feier des Tages der Ungarischen Wissenschaft in Österreich:
Der Präsidialbeirat für ungarische Wissenschaften im Ausland der Ungarischen Akademie der Wissenschaften und das Imre Samu Sprachkompetenzzentrum (der sprachwissenschaftliche Beirat) des UMIZ organisierten am 20. November 2009 gemeinsam eine Konferenz mit dem Titel „Die ungarische Sprache und Kultur im Karpatenbecken“.
Die Ungarische Akademie der Wissenschaften (kurz MTA) feiert den Tag der ungarischen Wissenschaft bereits seit dem Jahre 1997. Aus diesem Anlass werden im gesamten Karpatenbecken (in den Ländern rund um Ungarn) im Monat November eine Vielzahl an wissenschaftlichen Konferenzen abgehalten. Als Teil dieser feierlichen Reihe an Tagungen haben am Freitag, den 20. November sowohl österreichische Wissenschaftler, als auch die Mitglieder des sog. Termini Forschungsnetzwerkes (eines Zusammenschlusses sprachwissenschaftlicher Einrichtungen im Karpatenbecken) Vorträge im Collegium Hungaricum (kurz CH) in Wien gehalten und somit diesen Tag der Wissenschaft zum ersten mal auch in Österreich gefeiert.
Ziel der Fachtagung war es auch eine Tradition einzuleiten, im Rahmen dessen sich die ungarische Volksgruppe Österreichs in Zukunft mit einer Konferenz pro Jahr an dieser Programmreihe der MTA beteiligt.
Auf dem Symposion hielt Zoltán Fónagy, der Direktor des CH eine Begrüßungsrede, in der er sich für die Arbeit der Organisatoren bedankte und hervorhob, dass dies die erste Gelegenheit sei bei der man in Österreich den Tag der ungarischen Wissenschaft mitfeiere.
Tamás Váradi, der stellvertretende Direktor des Sprachwissenschaftlichen Institutes der MTA hat die bisherige Tätigkeit des Termini Forschungsnetzwerkes gewürdigt und mitgeteilt, dass das in allen sieben auslandsungarischen Gebieten tätige sprachwissenschaftliche Forschungsnetzwerk seit 2007 auch im Rahmen einer offiziellen Vereinbarung an die MTA, sowie an das Sprachwissenschaftliche Institut der Akademie angebunden ist.
Ernő Deák, der Obmann des Zentralverbandes ungarischer Vereine und Organisationen in Österreich hat in seiner Ansprache die Wichtigkeit des Zusammenhaltes betont und Geschenke an die beiden Organisatoren Szilvia Szoták und Ladislaus Kelemen überreicht.
Ladislaus Kelemen, der Institutsleiter des UMIZ – Ungarischen Medien- und Informationszentrums bedankte sich bei der Akademie und dem Collegium Hungaricum für die Möglichkeit, dieser Konferenz eine derart würdige Zusammensetzung und Rahmen geben zu können und hob auch die Bedeutung der Zusammenarbeit für die Anliegen der ungarischen Volksgruppe hervor.
Szilvia Szoták, die Vorsitzende des sprachwissenschaftlichen Beirates des UMIZ, des Imre Samu Sprachkompetenzzentrums hat die Zielsetzungen der Konferenz und die elementare Bedeutung, sowie auch die bisherigen Ergebnisse und zukünftigen Pläne des Forschungsnetzwerkes erörtert. Sie stellte diejenigen ungarischen Wörterbücher (OSIRIS Grammatik, Fremdwörterbuch, Deutungswörterbuch+ usw.) vor, in denen die Plurizentrität der ungarischen Sprache bereits durch die Aufnahme von auslandsungarischen Sprachelementen hervorgehoben wird.
Der Historiker Gerhard Baumgartner hielt einen Vortrag mit dem Titel „Burgenlandungarische Romafamilien nach 1945“ und hat hierbei das Schicksal der wenigen am Leben gebliebenen Romas anhand von historischem Fotomaterial und grafisch dargestellten Forschungsergebnissen sehr anschaulich dargestellt. Er erörterte weiters ihre rechtliche Lage und den institutionellen Rahmen als Volksgruppe.
Laakso Johanna, Professorin der Sprachwissenschaften am Institut für Finnougristik der Universität Wien hielt einen Vortrag über „Die Rolle der Universität Wien bei der Erforschung der ungarischsprachigen Volksgruppe(n) von Österreich“, wobei sie das Programm, die Geschichte und die Gegenwart sowie die Forschungsprojekte ihres Lehrstuhles vorstellte. Sie sprach über die Beziehungen ihres Institutes zur ungarischen Volksgruppe in Österreich sowie über die Rolle der Einrichtung bei der Ausbildung von Ungarischlehrern. Sie legte weiters Details des sog. ELDIA - Netzwerkes vor, welches ein gemeinsames EU Projekt von 8 Universitäten aus insgesamt 6 EU Staaten ist und an der neben Ihrem Institut auch der Lehrstuhl für ungarische Sprache der Universität Maribor teilnimmt. Das ELDIA Projekt (European Language Diversity for All) ist ein interdisziplinäres Forschungsvorhaben, welches den Sprachgebrauch von Volksgruppen und Migrantengemeinschaften der finno-ugrischen Sprachenfamilie untersucht.
Zita Veit, Lektorin der Universität Graz sprach über die „Vermittler ungarischer Kultur: deutsche Übersetzungen ungarischer Dramen im 19. Jahrhundert“. Sie legte dar, dass die Einstellung der jeweiligen Zielkultur eine große Rolle bei der Art der Aufnahme sowie auch der Stufe der Akzeptanz literarischer Werke aus fremden Ländern spielt.
László Csikós Molnár, Professor an der Universität Novi Sad erörterte die Entwicklung sowie die Besonderheiten des ungarischen Sprachgebrauches in der Vojvodina (Serbien).
Der Titel des von István Lanstyák, Professor der Universität Bratislava gehaltenen Vortrages war „Wieso sind sprachliche Aberglauben so zäh? Sprachideologien und Sprachphilosophien im ungarischen Sprachgebrauchs-Handwörterbuch“. In seinen Ausführungen legte er dar, dass die Reaktion auf sprachliche Erscheinungen nicht nur durch die Erfahrungen der einzelnen Sprachanwender beeinflusst wird, sondern auch durch, aus der Vergangenheit tradierten und von Sprachanwendern, ja auch von Lehrern stark mitgetragenen sprachlichen Ideologien und Philosophien gebildet wird.
István Csernicskó, Direktor des in Beregovo beheimateten Hodinka Antal Sprachinstitutes ging in seinem Vortrag „Ukrainische Bildungspolitik und Volksgruppen“ näher auf das, gerade im Aufbau befindliche ukrainische Nationalbewusstsein und ihre Auswirkungen auf den Unterricht in den einzelnen Volksgruppensprachen ein. Ziel der „Ukrainisierungspolitik“ ist es die Anzahl der rein ukrainischsprachigen Schulen auf allen Ebenen des Bildungswesens zu erhöhen. Die Regierung beabsichtigt nicht nur ukrainisch als nahezu einzige Ausbildungssprache zu etablieren, sondern schreibt auch die Verwendung der Staatssprache in den Unterrichtspausen vor. Die letzte Meldung, wonach vergessen wurde fristgerecht ungarische Schulbücher zu bestellen ist nur eine von vielen Hürden, die gegen die Verwendung der Volksgruppensprachen gerichtet ist und deren Zurückdrängung zum Ziel hat.
Krisztina Sárosi-Márdírosz stellte in ihrem ausführlichen Vortrag „Die Tätigkeit des Szabó T. Attila Sprachkompetenzzentrums in den vergangenen Jahren. Pläne und Perspektiven“ das in Siebenbürgen tätige Sprachinstitut vor. Hierbei erörterte Sie sehr detailliert Geschichte, spezifische Aufgaben, besonderen Stellenwert, Forschungsschwerpunkte und auch die gesellschaftliche Rolle des in Siebenbürgen befindlichen Sprachkompetenzzentrums.
Tibor Pintér, Informatiker und Mitarbeiter des Sprachwissenschaftlichen Institutes der Ungarischen Akademie der Wissenschaften stellte in seinem Vortrag die wichtigsten Datenbanken der ungarischen Sprache und ihre auslandsungarischen Bezüge vor. Diese Datenbanken dienen als Vorlage für die von der Akademie herausgegebenen Wörterbücher, sowie auch für Rechtschreibkorrekturprogramme der elektronischen Datenverarbeitung.
Szilvia Szoták, die Vorsitzende des Imre Samu Sprachkompetenzzentrums, des sprachwissenschaftlichen Beirates des UMIZ, die Hauptorganisatorin der Konferenz, hielt ihren Vortrag zum Thema: „Umgangssprachliche Ausdrücke und Kontaktelemente im Sprachgebrauch der Warter Ungarn“. Die Thematik basierte auf ihren eigenen Forschungsergebnissen, die Sie aus einer im Jahre 2008 durchgeführten Feldforschung in der Wart gewann. Diese Fragebogenbefragung brachte viele neue Erkenntnisse über die Verwendung von sog. sprachlichen Kontaktelementen und konnte auch zugleich die Liste an auslandsungarischen Ausdrücken der ungarischen Sprache mit Elementen aus der Wart bereichern. Des weiteren teilte sie auch erste Erfahrungen der gerade in Durchführung befindlichen Sammlung von regionalen Dialektausdrücken für die Neuauflage des Ungarischen Sprachenatlasses der Ungarischen Akademie der Wissenschaften mit.
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